Partnerschule



Marie-Curie-Realschule gründet Schulpartnerschaft in Indien
Die Bergisch Gladbacher Schule kooperiert mit der New Light School aus Kalkutta

Schüler von NewLight mit den gesponserten Trikots Die seit über einem Jahr bestehenden Kontakte zwischen der Marie-Curie-Realschule (MCR) und indischen Schülern und Lehrern von "New Light" haben sich zu einer offiziellen Schulpartnerschaft entwickelt.


Lehrer Urban Philippek besuchte in den letzten Herbstferien das Kinderheim New Light in der indischen 15 - Millionen Stadt Kalkutta und überreichte im Auftrag seiner Kollegen und Kolleginnen einen kompletten Satz Fußballtrikots sowie drei neue Computer mitsamt Zubehör. Bereits bestehende Brieffreundschaften zwischen den Partnerschulen können bald um E-Mail Kontakte ergänzt werden. Die großzügigen Spenden sind in erster Linie dem ehemaligen MCR - Schulleiter Arnold Nelles zu verdanken. Aber auch die Schüler und Lehrer der Realschule, einige Privatpersonen und das Sportgeschäft Intersport Haeger beteiligten sich finanziell.


Übergabe der Urkunde Urmi Basu, die Gründerin und Leiterin von New Light, zeigte sich über die Schulpartnerschaft ebenso erfreut wie die Schulleiterin der MCR, Andrea Wirths. "Als die indische Schülergruppe uns letztes Jahr besuchte, haben wir sehr viel von ihnen gelernt", berichtet Wirths. "Besonders hervorzuheben ist ihre positive Einstellung zum Lernen", fügt die Schulleiterin hinzu.

Im Februar 2009 erfolgte dann der Gegenbesuch. Ein Schüler und fünf Schülerinnen aus den Klassen 9 und 10 flogen mit Englischlehrerin Marie Jaspers und Geschichtslehrer Urban Philippek nach Kalkutta und wurden von New Light zehn Tage lang mit höchster Gastfreundschaft verwöhnt. Die Erlebnisse dieser Reise werden wir niemals vergessen. Die Armut und die Bescheidenheit der Menschen haben uns sehr nachdenklich gestimmt", betont Jaspers.

Übergabe der UrkundeNew Light ist ein Kinderheim mit integriertem Schulbetrieb. Die Kinder kennen ihre Väter nicht und die Mütter gehen zwangsweise der Prostitution nach. Die Bergisch Gladbacher Menschenrechtsorganisation BONO unterstützt New Light finanziell und stellte den Kontakt zur MCR her. Die Schulpartnerschaft ist in nicht unerheblicher Weise der Arbeit von BONO zu verdanken.

Und die nächste Vision wurde von Urmi Basu bereits während der Unterzeichnung der Urkunde formuliert: "Vielleicht gelingt es uns, dass einige unserer Lehrer und Sozialarbeiter die Marie - Curie - Realschule besuchen können." Als sie dies sagte, glänzten die Augen der indischen Lehrer.

 
Marie-Curie-Realschule in Kalkutta
Bewegende Erlebnisse in einer der ärmsten Metropolen der Welt

New Light

Während im Rheinland ausgelassen Karneval gefeiert wurde, begaben sich fünf Schülerinnen und ein Schüler aus den Klassen 9 und 10 der Marie-Curie-Realschule auf eine Reise, die bei ihnen tiefe Spuren hinterlassen hat und ihrem Leben wahrscheinlich eine prägende Bedeutung verleihen wird.

Die Idee zu dieser Fahrt entstand während des 35-jährigen Schuljubiläums im September 2008. Zehn Jugendliche aus Kalkutta waren im Rahmen der Kinderkulturkarawane zu Gast an der Marie-Curie-Realschule im Ahornweg. Sie leiteten einen Tanzworkshop und präsentierten einen indischen Kulturabend (Die Zeitung berichtete davon.). 200 Zuschauer waren nicht nur von den professionellen künstlerischen Darbietungen beeindruckt, sondern auch zutiefst berührt von dem harten Schicksal der indischen Kinder: Ihre Mütter arbeiten unfreiwillig als Prostituierte, und die Kinder haben den Alltag ihrer Mütter hautnah miterlebt, weil ihr Zuhause nur aus einem einzigen Raum besteht, in dem auch die Freier empfangen werden.

Urmi Basu, die Leiterin der indischen Gruppe, gründete im Jahre 2000 "New Light", eine Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Kindern neue Perspektiven für ein besseres Leben zu eröffnen: Betreuung, Nahrung, Spielmöglichkeiten, Schulbesuch, Aussicht auf ein selbst bestimmtes und unabhängiges Leben.

Zwischen den indischen Gästen und unseren Schülerinnen und Schülern entwickelten sich freundschaftliche Kontakte, und Urmi Basu sowie ihr Bruder Arnab schlugen einen Gegenbesuch nach Kalkutta vor.
Es folgte eine intensive Phase der Organisation und Vorbereitung: Genehmigungen mussten eingeholt werden, ein geeigneter Termin gefunden werden (wenig Unterrichtsausfall, keine Monsun- und Moskitozeit in Indien), preiswerte Flüge gebucht, Impfungen durchgeführt und Visa beschaffen werden. Eine eigens eingerichtete „Indien-AG“ bereitete unsere Schülerinnen und Schüler auf die außergewöhnliche Reise vor.

Am 13. Februar war es dann soweit! Charlotte Becker, Svenja Franc, Maximilian Fröhlingsdorf, Kimberly Koschate, Thuvaraka Selvaratnam, Joyce von Wolff, Betreuerin Jennifer Hagelstein, Lehrerin Marie Jaspers und Lehrer Urban Philippek flogen von Düsseldorf nach Dubai. Ein sechsstündiger Aufenthalt konnte für eine Stadtbesichtigung genutzt werden. Die Luxushotels Jumeira Beach und Burj al Arab in dieser eher künstlich wirkenden Welt wurden besichtigt. Bei 30 Grad wurde ein Picknick am Arabischen Golf eingenommen.
Der Weiterflug nach Kalkutta dauerte 4 Stunden, an Bord der Emirates-Maschine gab es das erste indische Essen, Kosho mangsho.

Um 19.15 Uhr kamen wir endlich am Kolkata Airport Chandra Bose an. Willkommen in einer anderen Welt! In Kolkata (so heißt Kalkutta seit 2001) ist alles völlig anders als in Deutschland. Die 15 Millionen-Metropole ist unbeschreiblich, alles läuft wie in einem viel zu schnellen Film ab, unser Gehirn kann die Eindrücke und Bilder nicht ordnen.

Kolkata war bis 1911 die Hauptstadt Indiens. Danach hat der wirtschaftliche Niedergang der Stadt begonnen. Nirgendwo in Indien leben so viele Menschen auf der Straße, in Hütten mit Zeltplanen als Dach, in Slums oder in verkommenen und unhygienischen Wohnungen wie in Kolkata. Die Einwohner waschen sich und putzen sich die Zähne entweder im dreckigen Hoogly-River, einem Nebenarm des heiligen Ganges, oder an Wasserpumpen auf dem Bürgersteig. Überall sind offene Feuerstellen, an denen Essen zubereitet wird. Eine gespenstische Szenerie …
Der Verkehr ist für Europäer der reinste Wahnsinn. Unvorstellbare Automassen, permanentes Gehupe, keine Fahrbahnmarkierungen. Dazwischen Rikschas und sogar Ochsen. Es ist staubig, und die Luftverschmutzung ist immens. Glücklicherweise haben wir gutes und für die Atmung günstiges Wetter.

Direkt am ersten Tag erleben wir einen tollen Empfang von New Light: Alle Lehrer, Betreuer und 150 Kinder und Jugendliche sind anwesend. Unsere Ankunft ist etwas Besonderes, noch nie sind ausländische Schülerinnen und Schüler zu New Light gekommen. Während unseres gesamten Aufenthaltes haben wir Kontakt zu den New Light-Kindern und -Lehrern. Es ist eine spannende Begegnung, weil unterschiedliche Lebensbedingungen und Kulturen aufeinander treffen. Sehr bewegend ist der Moment, als einige indische Jugendliche uns das Rotlichtviertel zeigen, uns ihren Müttern vorstellen und uns in „ihre Wohnungen“ (ein Zimmer für 4-6 Personen) führen.

Wir genießen eine unglaubliche Gastfreundschaft und eine perfekte Organisation seitens der Inder, insbesondere von Urmi und Arnab Basu. Jeder Tag beginnt sehr früh (dreimal müssen wir um 05.00 Uhr morgens aufstehen) und ist gefüllt mit interessanten Programmpunkten:
Wir dürfen in das Sterbehaus und in die Babystation, beide von Mutter Teresa ins Leben gerufen. Wir wohnen einer hinduistischen Zeremonie im Kalitempel bei, besichtigen den Jaintempel, bewundern den größten Blumenmarkt Asiens. Wir lernen das historische kolonial-englische Kalkutta kennen, sehen den Kinofilm „Slumdog Millionaire“ – auf Englisch natürlich. Wir unternehmen einen Ausflug mit der Bahn nach Shanitiniketan, der Universitätsstadt des berühmten indischen Philosophen Tagore, erfreuen uns kulinarischen Genüssen und erkunden den Basar New Market.
Erfreulicherweise dürfen wir auch einige Schulen besuchen und Einblicke in den Unterrichtsalltag erlangen. Die indischen Schülerinnen und Schüler sitzen teilweise auf dem Boden und manche Klassen bestehen aus ca. 50 Kindern. Bewundernswert sind die Ruhe und Disziplin in den Klassen. Die Leiterin der Rainbow School erläutert uns die Gründe: Die Schülerinnen und Schüler sind am Unterricht interessiert und gehen gerne zur Schule. Sie haben tägliche Konzentrationsübungen (Yoga) auf dem Stundenplan, und sie sind kaum negativen äußeren Einflüssen wie z. B. TV, PC und Internet, Videos und laute Musik ausgesetzt.

Nach diesem Austausch haben für uns einige Dinge einen anderen Stellenwert bekommen. Für manche Sachen, die wir vorher als selbstverständlich betrachtet haben, sind wir nun dankbarer. Außerdem blickt man Umständen, die uns bislang als Probleme erschienen, gelassener entgegen. Sind es wirklich immer Probleme, durch die wir uns entmutigen lassen? Abend für Abend haben wir uns in Indien zusammengesetzt, um unsere Eindrücke zu sammeln und gemeinsam zu verarbeiten. Eine wertvolle Zeit, in der wir auch das Miteinander in einem anderen Licht erfahren haben. Schule einmal ganz anders: die Begegnung mit indischen Freunden wird ein wichtiger Teil unserer Lehrzeit sein. Auch das ist Marie-Curie-Realschule!

Unser Dank gilt der Firma Krüger für die finanzielle Unterstützung der Reisekosten, Intersport Haeger für Sachspenden an New Light, den Herren Wolfgang Bosbach und Dr. Lothar Speer für ihre Unterstützung, den Herren Perger und Amman vom Generalvikariat Köln und ganz besonders Michael Müller-Offermann und Gereon Wagner von BONO, die den Kontakt zu New Light hergestellt hatten.