Studienfahrt der 10ten Klassen nach Auschwitz

"Alles mit eigenen Augen zu sehen, hilft vieles besser zu verstehen."

60 Schüler und Schülerinnen unserer Klassen 10a und 10b waren nach wochenlanger Vorbereitung vom 24. bis 27. März in Auschwitz und Krakau. In beeindruckender Weise haben die Schüler(innen) einen Informationsabend in unserer Aula gestaltet, an dem sie ihre Erlebnisse und Erkenntnisse ihren Eltern und den Gästen vermittelten. Besonders gefreut haben wir uns über die Anwesenheit von Frau und Herr Bethe, die die Stiftung "Erinnern ermöglichen" gegründet haben und somit die Finanzierung der Fahrt ermöglichten.


Inzwischen hat die Schulkonferenz der Marie-Curie-Realschule beschlossen, die Studienfahrt nach Auschwitz/Krakau in das Schulprogramm aufzunehmen und somit die Reise auch mit den nächsten 10er-Klassen durchzuführen.
[siehe auch Kölner Stadtanzeiger]

Eindrücke

Ann-Cathrin N., eine Schülerin der 10ten Klasse, gibt im folgenden Bericht ihre Eindrücke von der Studienreise 2011 wieder.

 

Vorwort

Mit meinem Aufsatz möchte ich kurze Einblicke in die persönlichen Eindrücke der letzten Wochen und Monate während des Unterrichts und vor allem aber während der Studienfahrt nach Polen aus der Sicht eines Schülers gewähren. Es ist kein vollständiger Reisebericht.

Sich nach der Reise erneut Gedanken zu machen, fällt mir nun viel schwerer, als ich dachte und sich an ALLES zu erinnern ist fast unmöglich, dafür haben wir während der Reise zu viel erlebt.

Noch bevor das Thema im Unterricht überhaupt richtig behandelt wurde, hatte ich natürlich schon Bedenken. Nicht nur mir, auch meiner Familie ging es so. Mit der gesamten Klasse einen Flug zu wagen, war und ist ein hohes Risiko (wobei im Nachhinein glücklicherweise alles sehr gut abgelaufen ist!). Bedenken und Ängste waren natürlich da. Sowohl von meiner Seite, von meiner Familie, aber ich denke auch innerhalb beider Klassen und ihrer Familien.

Eine Frage hatte ich mir zu Beginn der Unterrichtsreihe gestellt: "Warum fliegen wir überhaupt? Wir könnten es doch auch einfach im Unterricht besprechen, wie jede andere Schule?" Die Antwort ist mir nun mehr als klar.

Die Vorbereitung

Bevor wir uns auf die Studienfahrt begaben, wurde das Thema des Nationalsozialismus intensiv in allen Unterrichtsfächern, in denen es möglich war, besprochen. Es wurde darauf eingegangen und Hintergründe geschildert, wie beispielsweise den Einblick in den Biologieunterricht zur Zeit des Nationalsozialismus, den wir in kleineren Gruppen, die je ein dazugehöriges Unterthema spezieller untersuchen sollten und anschließend für die gesamte Klasse ein kurzes Referat hielten, näher kennen lernten. Dies war allerdings nur eine Methode, mit der wir uns auf die bevorstehende Fahrt vorbereiteten.

Vor allem aber auch im Rahmen des Geschichts-, Religions- und Philosophieunterrichtes gingen wir auf einzelne Hintergründe ein. Während wir in Geschichte den zeitlichen "Ablauf" der Geschehnisse allgemeiner besprachen, erfuhren wir im Religions- und Philosophieunterricht, der für einige Stunden sogar gemeinsam mit beiden zehner Klassen in der Aula abgehalten wurde, beispielsweise mehr über die Hintergründe und Einmischungen von Kirchen und anderen Vereinigungen, die bei der Rettung der Juden/Sinti/Roma und behinderten Menschen halfen.

Die Fahrt:

Dennoch war der theoretische Teil, die Vorbereitung auf die Reise, wirklich nicht zu vergleichen mit der eigentlichen Reise. Die Informationen und vorherigen Eindrücke, die man im Unterricht gesammelt hatte, wirklich an Ort und Stelle zu erleben, war etwas ganz anderes:

Schon der erste Besuch im Arbeitslager (Stammlager, Auschwitz 1) in der polnischen Stadt Oświęcim, war wirklich schockierend. Besser könnte man es nicht beschreiben. Schockierend. Erschreckend. Entsetzlich.
Das Stammlager ist ein weitläufiges Gebiet, auf dem so ziemlich alle Gebäude erhalten sind bzw. erhalten wurden/ rekonstruiert wurden.
In einigen der Häuser, durch die wir in kleinen Gruppen mit einem Tourguide geführt wurden,  gab es u.a. Bilder und Textpassagen zu sehen. Aber auch noch weitaus mehr Gegenstände. Dokumente. Persönliche Gegenstände der zur Arbeit gezwungenen oder ermordeten Insassen des Stammlagers.

Ich kann mich daran erinnern, dass der erste Eindruck, den ich von der Größe des Geländes bekam, zunächst noch nicht ganz so schockierend war. Um in das Arbeitslager zu gelangen, muss man zuerst durch ein Gebäude gehen, der Eingang des Museums (...) . Das Entsetzen steigerte sich in einem bestimmten Raum, der nicht nur mir, sondern sehr vielen in meiner Gruppe die Sprache verschlug. In diesem Raum war zur linken Seite ein Schaufenster eingerichtet, dessen Inhalt man erst erkennen konnte, sobald man sich im Raum selbst befand.

Ein Berg aus Haaren. Originale, abgeschnittene und gefundene Haare der ehemaligen Gefangenen des Lagers. Eine weitere schockierende, aber leider vorhandene Tatsache wurde uns nur wenige Räume später veranschaulicht. Ein weiterer Raum, mehr ein langer Flur, den man betreten konnte. Auch hier befanden sich zur linken und zur rechten Seite Schaufenster. Diese waren befüllt mit Bergen von Schuhen jeder Art. Vom kleinsten Kinderschuh bis zur Sommersandale ließ sich dort aus nächster Nähe alles in den Bergen von Schuhen wiederfinden. Diese beiden Räume waren mit ein Auslöser, ein Augenblick, in dem mir bewusst wurde, WIE GROß die Ausmaße dieser Geschehnisse gewesen sein mussten.

Die Grausamkeit wurde in weiteren Räumen bewusst. Die Skrupellosigkeit gegenüber lebenden, atmenden Menschen. Erwachsene, Ältere und vor allem auch Kinder. Kinder, die zu Versuchszwecken eines Arztes, Mengele,  der auch den Beinamen "Todesengel von Auschwitz" trägt, missbraucht wurden. Und letztendlich unter Qualen starben. Als Forschungsobjekt dieses "Todesengels".

Wie schwer gerade auch das Kapitel "Kinder" im gesamten Hauptthema des Nationalsozialismus war, konnte man deutlich spüren. Denn nicht nur wir, die das erste Mal die Bilder von abgemagerten, verstümmelten Kindern sahen, waren den Tränen nahe, sondern auch der Tour-Guide, der uns in beiden Tagen in den Lagern herum geführt hatte, der tagtäglich damit zu tun hat (!), musste schlucken.
(Dies waren  nur einige Beispiele des GESAMTEN Ausflugs im Stammlager, Auschwitz 1.)

Am zweiten Tag unserer Reise besuchten wir das eigentliche Vernichtungslager Birkenau, Auschwitz 2. Wir reisten mit dem Bus nach Birkenau, um das Arbeitslager zu besuchen. Noch bevor wir ausstiegen, erhielten wir den ersten Eindruck. Ich kann mich an meinen ersten Gedanken erinnern, es war einfach nur die Frage: "Wie konnte ein Mensch so krank sein, um so etwas entstehen zu lassen?" Wut und Hass waren es, die den ersten Gedanken vor allem prägten. Der Grund ist leicht zu erklären.

Das Arbeitslager teilt sich in insgesamt drei Bereiche ein, wobei nur zwei noch annähernd erhalten sind. Und diese gesamte Fläche des Arbeitslagers erstreckt sich über eine Fläche von über 180 Fußballfeldern (!), wobei wir im Laufe der Führung erfuhren, dass das Lager nicht komplett vollendet war, es sollte laut Hitlers Plänen mit den Jahren noch erweitert werden! Im Arbeitslager, führte uns der Tourguide in den selben Gruppen des Vortages zunächst in die Behausungen der gefangenen Arbeiter, die von ihrem Aufbau nichts Geringeres waren als Viehställe. Wir erhielten Einblick auf die unhygienischen damaligen Waschmöglichkeiten, die nicht mehr waren als eine Steinbank, mit Löchern. Das waren die Toiletten der Arbeiter. Und auch hier wurde die Unmenschlichkeit wieder deutlich. In diesen Viehställen, den Unterkünften, die meist völlig überfüllt waren, mussten sich meist bis zu 30 Personen ein einziges Hochbett teilen. Alles in Allem war auch dieser Besuch schwer. Erschreckend und wirklich furchtbar.

Persönlich muss ich aber sagen, da das Arbeitslager eine eher offene Fläche ist und sehr viel mehr Grünfläche und Wald bietet, die Gebäude auch nicht so erhalten sind und genutzt werden wie die Gebäude im Stammlager, sondern in ihrem eigentlichen Zustand gehalten werden, fand ich das Arbeitslager in den Eindrücken und Details, die man dort erlebt, schauderhafter.

Ein kleiner Ausflug in die Stadt Krakau:

Wir erlebten allerdings nicht nur die negativen Seiten Polens, sondern machten auch einen Ausflug in die Stadt Krakau, in der wir am Nachmittag die Möglichkeit hatten, uns in Gruppen frei zu bewegen. Leider spielte das Wetter genau an diesem Tag nicht mit, es regnete, schneite und war sehr kalt, allerdings boten Cafés, Restaurants und Geschäfte die Möglichkeit sich aufzuwärmen. Anschließend gab es am selben Abend ein gemeinsames Abendessen in einem Restaurant, in dem wir vorher reserviert hatten. Allerdings machten sich vor allem die Müdigkeit und die Anstrengungen der vorherigen Tage an diesem Abend bemerkbar. Dennoch war es eine gute Abwechslung und Möglichkeit um noch eine positive Erfahrung auf dieser Reise zu sammeln.

Persönliches Fazit:

Alles in allem kann ich nur betonen, dass sich diese Reise gelohnt hat, trotz der Strapazen! Und letztendlich konnte ich auch eine Antwort auf meine Frage finden:

"Es war eine gute Entscheidung diese Reise anzutreten. Natürlich hätte es auch die Möglichkeit gegeben, so wie es viele Jahrgänge vor uns und weiterhin auch viele Schulen gemacht haben und weiterhin machen, das Thema des Nationalsozialismus lediglich im Geschichtsunterricht zu behandeln. Jedoch an die Orte zu reisen, an denen es alles geschah, all das Leid und die Grausamkeit.

Alles mit eigenen Augen zu sehen, half wirklich dabei, vieles besser zu verstehen.

Die Reise lieferte Antworten, die man im Unterricht nicht beantworten kann/konnte und im Nachhinein konnte ich für mich persönlich besser mit dem Thema "Nationalsozialismus" abschließen. Es war eine Möglichkeit, die unsere Schule nutzen konnte und ich bin froh das wir sie genutzt haben!

Natürlich lässt sich die Fahrt nicht als 'schön' oder 'toll' beschreiben, denn wegen des Hintergrundes der Fahrt ist es nicht angebracht, jedoch möchte ich sagen, dass sie lohnenswert war und diese besonderen Erfahrungen, die ich gemacht habe, möchte ich nicht missen. Im Hinterkopf ist mir dennoch geblieben, wie schnell und radikal etwas ausufern kann und ich würde mir für viele Schulen wünschen, dass sie ebenfalls die Erfahrungen machen könnten, die wir machen durften, allein für ein gesamtes besseres Zusammenleben in der Gesellschaft."

Ein Zitat, das wir in einem Film als Äußerung eines ehemaligen Einwohners der Stadt hörten, möchte ich am Ende noch festhalten:

"Die Stadt Oświęcim ist nicht Auschwitz und Auschwitz ist nicht Oświęcim!"